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Storchenpost: Hör´mal, wer da (p) klappert

Internationaler Hebammentag am 5. Mai 2019

Anja Salmassi

Leitung Geburtshilfe
Anja Salmassi

  • Leitende Hebamme

Seit 1991 wird jedes Jahr der Internationale Hebammentag am 5. Mai in mehr als 50 Ländern begangen.
An diesem Tag gehen die Hebammen in vielen Städten auf die Straßen, um Gesellschaft und Politik auf den hohen Wert ihrer Arbeit und die allgemein prekäre Situation eines gesamten Berufstandes hinzuweisen.
Man muss verstehen, dass die Hebammen mit ihren Aktionen und Veranstaltungen nicht nur für sich persönlich und den Hebammenberuf – den ältesten (Frauen-) Beruf der Welt – kämpfen, sondern sich letztendlich für die bestmögliche Versorgung von schwangeren Frauen, Müttern und ihren Neugeborenen einsetzen. Frauen und ihre Kinder müssen wieder in den Mittelpunkt gestellt werden, heute und zukünftig. Hebammen stellen dafür politische Forderungen wie zum Beispiel ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine sogenannte „Gute Geburtshilfe“ – auch in den Klinikkreißsälen.
Aber was ist eigentlich eine „Gute Geburtshilfe“?
Hebammen haben zu diesem Thema eine ganz klare Meinung: Ein seit Jahrtausenden überliefertes Wissen sowie die Erfahrungen aus ihrem Berufsleben und nicht zuletzt die berufsethischen Grundsätze von Hebammen sagen, dass „Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett besonders schützenswerte Vorgänge im Leben einer Frau“ sind. „Hebammen unterstützen bei diesen natürlichen Lebensprozessen. Sie schützen, wahren und fördern die körperliche und seelische Gesundheit der Frauen und ihrer Kinder. Die steht an oberster Stelle bei jeder Begleitung durch Hebammen“ heißt eine der „12 Thesen für eine gute Geburtshilfe“ (Deutscher Hebammenverband e.V.). Darin steht u.a. auch, dass Schwangere und Gebärende die freie Wahl des Geburtsortes brauchen und ausreichend Zeit bekommen müssen für die Geburt ihres Kindes „im eigenen Rhythmus“.
Auch ich komme in meinen wöchentlichen Info-Abenden mit Kreißsaalführungen (immer dienstags um 18:00 Uhr, Start in der Eingangshalle des Marienhospitals) unter dem Motto „Auf den Anfang kommt es an“ gerne ganz persönlich mit werdenden Eltern ins Gespräch, höre nach, was sie denken oder glauben, was ihnen in der Klinik oder speziell im Kreißsaal für die Geburt ihres Kindes wichtig ist. Dabei äußern die schwangeren Frauen immer wieder die Bedeutung der Achtung vor ihren individuellen Bedürfnissen, vor Mit- und Selbstbestimmung. Sie hoffen und wollen darauf vertrauen können, nicht alleine zu sein, haben den Wunsch nach einer liebevollen, wertschätzenden Betreuung vor, während und nach der Geburt. Eine Sehnsucht nach Natürlichkeit ist spürbar und wohltuend. Aber auch nach Sicherheit, je nach Notwendigkeit handeln zu können. Schließlich soll am Ende eine gesunde Mutter ein gesundes Kind im Arm halten. Doch gute Geburtshilfe ist halt noch viel mehr als das, weil Geburt – geboren werden und gebären – uns fürs Leben prägt.
Familienorientiert, individuell und mit einem eng zusammenarbeitenden Hebammen- und Ärzte-Team nehmen wir und unsere Klinikleitung die Interessen werdender Eltern ernst. Es geht schließlich um den möglichst besten Start ins Leben. Der ist wichtig für das Leben und damit lebenswichtig!
Deshalb müssen Gesundheitsminister Jens Spahn sowie die gesamte Bundesregierung und auch die Bevölkerung Augen und Ohren – am besten auch Herz und Seele – weit öffnen und es ebenfalls ernstnehmen, wenn Hebammen und ihre Unterstützer/-innen im Sinne einer gesünderen und glücklicheren Gesellschaft wieder in vielen Städten vieler Länder auf die Straßen gehen, jedes Jahr am 5. Mai am Welthebammentag!
Herzlichst Ihre Anja Salmassi