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Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)

Khaled Awad

Chefarzt
Khaled Awad

  • Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Spezielle Rhythmologie, Aktive Herzrhythmusimplantate und Interventionelle Kardiologie

Beim WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom) wird das Herz durch eine oder mehrere zusätzliche Leitungsbahnen fehlerhaft erregt. Infolgedessen schlägt es anfallsartig zu schnell. Diese Form der Herzrhythmusstörung kann durch eine Verödung der überzähligen Leitungsbahnen therapiert werden. Erfahren Sie alles über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten beim WPW-Syndrom.

Zusätzliche Erregungsleitung
Beim WPW-Syndrom haben die Betroffenen eine zusätzliche (akzessorische) Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer. Die Leitungsbahn kann vom Vorhof in die Kammer oder umgekehrt leiten. Die Erregungen aus dem Sinusknoten, aber auch Erregungen aus den Herzkammern treffen auf diese zusätzliche Leitungsbahn. Anders als beim AV-Knoten werden die Erregungen nicht gefiltert und alle elektrischen Signale an die Muskelzellen der Herzkammern weitergeleitet.
Da die zusätzliche Leitungsbahn auch in die „falsche“ Richtung leiten kann, laufen die elektrischen Signale der Muskelzellen in den Herzkammern zurück in den Vorhof. Es entsteht eine sogenannte kreisende Erregung, die das Herz sehr schnell, aber in einem gleichmäßigen Rhythmus schlagen lässt.
Die zusätzliche Leitungsbahn des WPW-Syndroms ist angeboren. Meistens treten Beschwerden wie Herzrasen im Jugendalter auf. Das WPW-Syndrom kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

WPW-Syndrom: Symptome

Das WPW-Syndrom verursacht nicht in allen Fällen Beschwerden. Manchmal wird die zusätzliche Leitungsbahn lediglich durch die Veränderungen im Elektrokardiogramm entdeckt.
Zu den häufigsten Symptomen gehört ein plötzlich auftretendes Herzrasen (Tachykardie). Das Herz schlägt dabei zwischen 150 und 240 Mal pro Minute. Normal sind 60 bis 80 Schläge pro Minute, wenn man ruhig sitzt. Der Puls ist bei der WPW-Tachykardie sehr regelmäßig.
Manche Patienten empfinden das Herzrasen als verstärktes Herzpochen. In der Medizin spricht man dann von „Palpitationen“. Andere Betroffene verspüren ein „Herzstolpern“. Diese Missempfindungen verschwinden meist genauso abrupt, wie sie gekommen sind. Zusätzlich können die Betroffenen unter Schwindel, Brustschmerzen und Atemnot leiden. Nach dem Herzrasen sind sie häufig müde und haben einen ausgeprägten Harndrang.

Angst und Ohnmacht

Das Herzrasen löst bei vielen Patienten Angst aus. Schwindel und Atemnot können dieses Gefühl noch verstärken. Durch die hohe Herzfrequenz kann das Herz manchmal nicht mehr ausreichend Blut in die Körperorgane pumpen. Manche Patienten verlieren daher das Bewusstsein.

WPW-Syndrom: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für das WPW-Syndrom ist nicht bekannt. Man nimmt aber an, dass die zusätzliche Leitungsbahn aufgrund eines Fehlers in der embryonalen Entwicklung des Herzens entstanden ist. Forscher fanden des Weiteren heraus, dass das WPW-Syndrom gehäuft mit anderen angeborenen Herzfehlern auftritt. Dazu zählen Defekte in den Trennwänden zwischen der rechten und linken Herzseite (Ventrikelseptumdefekte).
Auch bei der seltenen Ebstein-Anomalie, bei der die Herzklappe zwischen dem rechtem Vorhof und der rechter Herzkammer fehlgebildet ist, findet sich oft ein WPW-Syndrom. Da man bestimmte Genveränderungen mit dem WPW-Syndrom in Verbindung bringen konnte, ist die Anlage für ein WPW-Syndrom sehr wahrscheinlich vererbbar.

Elektrokardiogramm

Eine wichtige Untersuchung bei einem Verdacht auf das WPW-Syndrom ist das Elektrokardiogramm (EKG). Dabei zeichnet ein Schreiber die elektrische Aktivität des Herzens auf. In einigen Fällen diagnostiziert der Arzt hierbei bereits ein WPW-Syndrom. EKG und Langzeit-EKG sind aber nur Voruntersuchungen für die eigentliche elektrophysiologische Untersuchung. Im Anschluss an das EKG kann der Arzt ein Medikament verabreichen, dass das Herzrasen stoppt.

Elektrophysiologische Untersuchung

Um das WPW-Syndrom sicher zu diagnostizieren, muss eine sogenannte elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Herzkatheteruntersuchung. Dem Patienten werden zwei dünne Drähte (Katheter) über die Leistenvenen in die große Hohlvene eingeführt und diese bis zum Herzen vorgeschoben. Dort messen die Katheter elektrische Signale an verschiedenen Stellen der Herzmuskelwand. Während der Untersuchung kann das Syndrom gleichzeitig mit einer Ablation (Verödung) therapiert werden.