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Schaufensterkrankheit (pAVK)

Die periphere arterielle Verschluss Krankheit (Schaufensterkrankheit) hat leider weiterhin ihre medizinische und auch volkswirtschaftlich negative Bedeutung.

PD Dr. med. Gottfried J. Mommertz

Chefarzt
PD Dr. med. Gottfried J. Mommertz

  • Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, Endovaskulärer Spezialist
  • Telefon: 0241/6006-1301
  • Fax: 0241/6006-1309

In einer Erhebung von H.M. Becker 1992 (Die Situation der Gefäßchirurgie in Zahlen, erschienen 1992 in Management und Krankenhaus 11; 102 – 110) wurde die Zahl der gefäßchirurgischen Operationen mit 2469/Jahr/1 Mio Einwohner für das Jahr 1989 beziffert. In den Jahren 1984 – 1989 betrug sie noch ca. 1600. Dies bedeutet alleine in acht Jahren eine Zunahme von 900 Operationen Jahr/1Mio. Einwohner. Für die 20 Jahre davor waren Steigerungsraten von 117% bzw. 98% eruiert worden.

Heute liegen diese Zahlen sicher noch höher, eine genaue Erhebung liegt zurzeit nicht vor. Durch die höhere Lebenserwartung und deutliche Zunahme des Diabetes mellitus ist eine Änderung diese Trends nicht zu erwarten.

Mit der höheren Lebenserwartung hat die Komplexität des Krankheitsbildes „pAVK“ dramatisch zugenommen. Aus diesem Grund ist die beste Versorgung von Patienten mit Gefäßerkrankungen nur durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Gefäßchirurgie, Radiologie, Kardiologie sowie Anästhesie zu erreichen.

Auch das Marienhospital Aachen hat aus diesem Grund mit der Einstellung mehrerer Gefäßchirurgen und interventionellen Radiologen dieser Tatsache Rechnung getragen.

Durch die intensive Zusammenarbeit der Gefäßchirurgie mit der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (Chefarzt Dr. med. Rainald Bachmann) ist ein interdisziplinärer medizinischer Schwerpunkt Gefäßmedizin entstanden.

Zur Indikation, Planung und Vorbereitung von Patienten, die an den Gefäßen – sei es operativ, interventionell oder auch konservativ – behandelt werden sollen, führen wir regelmäßig eine Patienten- und Angiobesprechung im Marienhospital Aachen durch.

Wie entsteht eine Durchblutungsstörung der Gliedmaßen (pAVK)?

Die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) ist eine verkalkungsbedingte Verengung der Schlagadern an den Armen und Beinen, die zu Durchblutungsstörungen führen können. Typischerweise sind die Beine und nur sehr selten die Arme betroffen. Durchblutungsstörungen der Schlagadern sind in den allermeisten Fällen die Folge einer fortschreitenden Arterienverkalkung (Arteriosklerose).

Unser Körper lagert im Laufe des Lebens Fette und Kalk in die Arterienwände ein. Dieser schleichende Prozess führt zu einem allmählichen und langsamen Verschluss der Blutgefäße. An solchen Verkalkungen können Blutgerinnsel entstehen und plötzlich oder langsam fortschreitend einen vollständigen Gefäßverschluss hervorrufen.

Was sind die Folgen?

Eine Verengung oder ein Verschluss der Schlagadern an den Gliedmaßen kann zu Durchblutungsstörung und eingeschränkter Mobilität im Sinne der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ und schlimmstenfalls zu Gliedmaßenverlust führen. Circa eine Million Menschen in Deutschland leiden unter dieser Erkrankung.

Welche Beschwerden macht eine pAVK?

Die Erkrankung pAVK wird anhand der Symptomatik in vier Stadien eingeteilt:

Stadium I
Es bestehen Gefäßverkalkungen, die jedoch keine Beschwerden machen.

Stadium II
Die Erkrankung macht sich im Sinne der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ (Claudicatio intermittens) bemerkbar. Dabei treten nach einer bestimmten Gehstrecke Muskelschmerzen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß auf.

Stadium III
Nun bestehen auch in Ruhe Schmerzen, die klassischerweise im Fuß oder in den Zehen lokalisiert sind.

Stadium IV
Hier kommt es zu einem Defekt an der Haut oder auch tieferen Gewebeschichten. Dies hat eine Entstehung von offenen Stellen am Unterschenkel/Fuß (Ulcus) oder ein Absterben von Fußzehen/Teile des Fußes zur Folge. Diese Bereiche werden erst bläulich/weiß und im weiteren Verlauf werden Teile des Fußes schwarz.

Es handelt sich um abgestorbenes Gewebe und die betroffene Körperpartie muss in der Regel im Verlauf amputiert werden. Im Volksmund wird dieses Stadium auch „Raucherbein“ genannt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Unser Spektrum zur Behandlung der Durchblutungsstörung (pAVK) umfasst offen-chirurgische und minimalinvasive Verfahren. Konservative Therapien wie Gehtraining, die Einnahme durchblutungsfördernder Medikamente, ein gut eingestellter Blutdruck, etc. werden kombiniert eingesetzt.

Katheterverfahren
Dieses Verfahren erlangte in den letzten Jahren immer stärkere Bedeutung, da hier bereits mit relativ geringem Aufwand (Eingriff in lokaler Betäubung möglich) eine deutliche Linderung der Beschwerden erreicht und somit eine Operation eventuell aufgeschoben werden kann. Der Katheter wird über einen kleinen Einstich (meistens in der Leiste, wie bei einem Herzkatheter) in die Schlagader eingebracht, wodurch unter Röntgenkontrolle eine verkalkte Engstelle aufgedehnt (Angioplastie) oder ein Verschluss wieder durchgängig gemacht werden kann. Bei Bedarf eignet sich auch ein Gitterrohr (Stent) zum Offenhalten der Schlagader. Diese Eingriffsmethode ist sehr schonend und erfordert in der Regel nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt (bei Stadium II-III meistens 2-3 Tage).

Offen-chirurgisch
In einigen Fällen ist die offen-chirurgische Operation die beste Methode, um die Durchblutung der betroffenen Gliedmaße wiederherzustellen. Die Möglichkeiten reichen von Ausschälen des Kalkes bis hin zu Bypassoperationen, also dem Anlegen von „Umleitungsschlagadern“ um den verengten oder verschlossenen Schlagaderanteil herum, so dass die Durchblutung des Beines gesichert ist. Der Krankenhausaufenthalt beträgt je nach Operation und individuellem Erholungsverlauf einige Tage bis ca. eine gute Woche.

Kombination von Katheter und chirurgischen Verfahren
Die Kombination aus Katheterverfahren und Operation ermöglicht oft auch bei komplexeren Verkalkungsmustern in unterschiedlichen Regionen eine maßgeschneiderte Behandlung. Da sowohl die Katheterbehandlungen als auch die offenen Operationen zu unserem Spezialgebiet gehören, führen wir viele dieser kombinierten Eingriffe durch. Ein speziell dafür ausgestatteter sogenannter Hybrid-Operationssaal mit einer hochmodernen Röntgenanlage bietet die technische Voraussetzung für diesen Eingriff.

Was können Sie selber tun?

Insbesondere wenn die arterielle Durchblutungsstörung noch nicht weit fortgeschritten ist, kann regelmäßiges, konsequentes und intensives Gehtraining in Verbindung mit den richtigen Medikamenten eine deutliche Linderung der Beschwerden und eine Verlängerung der Gehstrecke erreichen. Ein spezielles, regelmäßiges Training kann außerdem dazu bewirken, dass sich die kleinen Gefäße, die um das verengte Gefäß herum liegen, erweitern. So kann mehr sauerstoffreiches Blut in die Beinmuskulatur transportiert werden und die Minderversorgung durch das verkalkte Gefäß ausgeglichen werden. In jedem Fall sollte eine Durchblutungsstörung der Beine von einem Spezialisten untersucht werden, um frühzeitig die richtigen Maßnahmen einleiten zu können.