Therapie der Refluxkrankheit

Konservative Therapie

Unter der rein konservativen Therapie ohne Einsatz von Medikamenten subsummiert man man die Umstellung der Lebensgewohnheiten. Patienten mit einer leichten Refluxneigung sollten unverträgliche, säure-induzierende Speisen oder Getränke, Nikotin, Alkohol, zu viel Fett, Schokolade und scharfe Speisen sowie Blähendes meiden. Nikotin ist auch beim Reflux schädlich. Eine Hochlagerung des Oberkörpers nach dem Essen und auch nachts kann helfen. Vielen helfen auch eine Gewichtsreduktion und das Vermeiden zu enger Kleidung. Die individuelle Beratung zu Ernährungs- und Lifstyle-Fragen gehört essentiell zum Behandlungskonzept unseres Zentrums. Gute Informationen können für Laien können auch auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eingeholt werden.

Medikamentöse Therapie

Reicht die Life-style Anpassung nicht aus, stellt eine medikamentöse Therapie den nächsten Schritt dar. Ein sehr erfolgreiches Therapiekonzept stellt die Einnahme von sogenannten Protonenpumpeninhibitoren (PPI) dar. Die meist gut verträglichen und nebenwirkungsarmen Präparate blocken die Säureproduktion im Magen. Durch diese Behandlungsmethode können 80-90% der Betroffenen beschwerdefrei leben. Da die anatomischen Veränderungen durch die Medikamente aber nicht beeinflusst werden, müssen die Präparate oft lebenslang eingenommen werden. In manchen Fällen ist auch eine Kombination mit anderen Säurehemmern notwendig.

Operative Therapie

Befindet sich die Refluxkrankheit in einem sehr fortgeschrittenen Stadium, so kann nur ein operativer Eingriff verhindern, dass weiter Magensäure und -inhalt in die Speiseröhre aufsteigt.
Die Operation zielt auf die Verengung der Zwerchfelllück (Bruch) sowie die Rekonstruktion oder Verstärkung des Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen. Der Eingriff wird im Refluxzentrum Euregio minimal-invasiv (laparoskopisch) vorgenommen. Dabei werden je nach Individualfall verschiedene Techniken eingesetzt. Die Zwerchfelllücke wird in der Regel durch Nähte wieder eingeengt. Zuvor muss die vielfach verkürzte Speiseröhre wieder gestreckt und in den Bauchraum zurück transferiert werden. Der Zwerchfelldefekt muss manchmal mit einem Netz verstärkt werden. Keinesfalls darf die Lücke zu eng verschlossen werden. In einfacheren Fällen reicht danach die Rekonstruktion des His'schen Winkels. Dazu wird der Fundus in der linke Zwerchfellkuppe fixiert. Bei größeren Brüchen kann man aus dem Magenfundus auch eine Manschette bilden, und diese wie einen Schal locker um die Speiseröhre herumführen (Fundoplicatio). Die Enge der Fundoplicatio muss an die Beweglichkeit der Speiseröhre angepasst werden. Im Marienhospital Aachen wird das Ergebnis noch im OP-Saal mit einer Magenspiegelung kontrolliert.
Die meisten Patienten sind anschließend dauerhaft beschwerdefrei. Für die erfolgreiche Behandlung ist neben einer besonderen Expertise des Chirurgen die differenzierte Anpassung des individuell anzupassenden Verfahrens und die kluge Auswahl der in Frage kommenden Patienten wichtig, denn nicht jedem Patienten hilft die gleiche Therapie. Diese Differenzierung gelingt nur durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen.
Die Wissenschaft und die Medizin-Produkte-Industrie sind auch auf dem Feld der Refluxtherapie sehr aktiv. Gerade in den letzten Jahren sind neue medikamentöse und alternative operative Behandlungen auf den Markt gekommen, die insbesondere für die Patienten interessant sind, die mit ihrer aktuellen Therapie nicht zufrieden sind. Beispiele stellen die orale Therapie mit Alginate, die elektrische Stimulation des unteren Ösophagusmund (EndoStim) oder die Implantation eines Magentrings, der um die untere Speiseröhre gelegt wird. Die Mitarbeiter des Reflux-Zentrum Euregio beobachten die Marktentwicklungen als Experten sehr aufmerksam, und sind so immer auf dem aktuellen Stand. Doch nicht alle Entwicklungen werden von uns sofort übernommen. Medizinische Maßnahmen müssen sich auch immer in der Langzeitanwendung bewähren, und vielfach fehlen genau diese Langzeitergebnisse. Hier gilt für uns: Ihre Sicherheit ist unsere oberste Devise.
Minimal-invasive Chirurgie
Marienhospital Aachen Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie