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Vom Diagnose-Schock zur Mutmacherin

Brustkrebspatientin Silke engagiert sich für Betroffene

Dr. med. Esther Geller

Leiterin des BrustCentrums
Dr. med. Esther Geller

  • Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Palliativmedizin

„Durch den Brustkrebs habe ich zwar meine Brust verloren, aber meine Stimme als Mutmacherin gewonnen“, erzählt Silke, die im Jahr 2020 erstmals mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wurde. Die 46-Jährige ist herzlich, offen, selbstbewusst und fröhlich. Man sieht ihr den langen Leidensweg nicht an: 17 Operationen in sechs Jahren, Chemotherapie, Immuntherapie und Antihormontherapie, Lungenembolie, doppelter Brustwiederaufbau – die Liste ist lang.
Als alleinerziehende Mutter hatte sie einen klaren inneren Kompass: „Ich wollte leben und gesundwerden – und ich wusste, wofür.“
Sie hat sich von Anfang an für die Behandlung im Marienhospital Aachen entschieden. „Ich wurde im MARIEN geboren, hier gehöre ich hin, wenn es darum geht, gesund zu werden. Die Leiterin des BrustCentrums Dr. med. Esther Geller hat mein allergrößtes Vertrauen“, unterstreicht Silke.

Der erste Hinweis auf ihre Erkrankung kam im Frühjahr 2020 beim Sonnenbaden. „Ich lag entspannt auf der Liege in meinem Garten, als mir auffiel, dass die Sonne an einer Stelle meiner linken Brust ungewohnt stark brannte. Während mein Verstand versuchte das kleinzureden, drängte meine Intuition, es unbedingt kontrollieren zu lassen“, erinnert sich Silke. „Bei der Ultraschalluntersuchung in der Frauenarztpraxis war jedoch nichts zu sehen. Erst als meine Ärztin die Brustwarze zusammendrückte, kam Blut heraus – ein Schockmoment.“
Die Diagnose kam kurz danach im BrustCentrum des MARIEN: DCIS (Duktales Carcinoma in situ) in der linken Brust. Es handelt sich dabei um eine nicht-invasive Vorstufe von Brustkrebs, bei der sich veränderte Zellen in den Milchgängen befinden, ohne in das umliegende Gewebe eingewachsen zu sein. Bei den folgenden Operationen wurde das gesamte Drüsengewebe entfernt und die Brust mit Silikon wieder aufgebaut.
Es verging etwa ein Jahr, als dann die rechte Brust in den Fokus rückte. „Das MRT war unauffällig, auf dem Papier war ich gesund – aber mein Bauchgefühl erzählte mir eine andere Geschichte“, so Silke. „Da ich inzwischen wusste, wie sehr ich diesem vertrauen kann, habe ich mich entschieden, einen Antrag auf präventive Entfernung der rechten Brust zu stellen.“
Nach zehn Monaten Auseinandersetzung mit der Krankenkasse wurde dem Antrag endlich zugestimmt. „Für mich war es eine reine Vorsichtsmaßnahme, eine Art Lebensversicherung. Was dann folgte, hat mir erneut den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt sie bewegt.
Bei der Untersuchung des entfernten Gewebes stellte sich heraus, dass in der rechten Brust ein Tumor gewachsen war. „Dieser wurde nur gefunden, weil ich mir vertraut und nicht aufgegeben habe. Meine Intuition hat mich frühzeitig gerettet, der Krebs hatte noch nicht gestreut.“
Was dann folgte, war eine enorme Belastung: 13 Operationen, Chemotherapie, Immuntherapie und die immer noch laufende Antihormontherapie. „Diese herausfordernde Zeit hat mich emotional und körperlich an meine Grenzen gebracht“, gibt Silke offen zu.
Eine große Stütze in dieser Zeit fand sie in ihrem sozialen Umfeld, dem „Herzensteam der Station F4“ im MARIEN und in Dr. Curt Creutz, unserem Krankenhausseelsorger. „Dr. Creutz kam nach jeder OP zu mir und hat meine Tränen getrocknet“, erzählt sie dankbar.
„Ich würde nie sagen, dass der Krebs einen Sinn hatte – aber ich habe mich entschieden, was ich daraus mache. Und genau diese Entscheidung hat mir wahnsinnig viel Kraft gegeben. Mitten in meiner größten Krise habe ich mich auf eine Weise neu kennengelernt, die mein Leben nachhaltig zum Guten verändert hat“, resümiert die 46-Jährige.

Silkes Leben hat seit der Diagnose eine neue Qualität bekommen: Zeit mit ihrer Tochter, Freundschaften, Reisen und persönliche Entwicklung erlebt sie heute noch bewusster.

Der Verlust ihres ebenfalls an Brustkrebs erkrankten besten Freundes – mitten in ihrer eigenen Heilreise – hat ihr schmerzhaft bewusstgemacht, das Leben nicht mehr auf irgendwann zu verschieben. „Ich habe verstanden, dass wir keine Garantie auf ein „Später“ haben, daher lebe ich im Jetzt - und das bewusster und intensiver als je zuvor.“

Silke teilt auf ihrem Instagram-Kanal @brustkrebs_mutmacherin offen und ehrlich ihre Erfahrungen und wird damit für viele Betroffene zur Inspiration. „Wenn das Teilen meiner Geschichte dazu beiträgt, dass ich Betroffenen helfen kann, dann hat das hier alles einen Sinn, der größer ist als meine eigene Heilung.“

Darüber hinaus engagiert sich Silke ehrenamtlich im Footballverein Aachen Vampires für die Brustkrebsaufklärung. Die Spieler der Vampires tragen bereits seit der letzten Saison die neuen Trikots in Schwarz-pink mit Brustkrebsschleife – ein starkes Symbol für mehr öffentliche Aufmerksamkeit rund um das Thema.

Patientinnenforum Brustkrebs

  • Wer Silke kennenlernen möchte, ist schon jetzt herzlich zum Patientinnenforum Brustkrebs am 18. September 2026 um 15:00 Uhr im Marienhospital Aachen eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung wird Silke von ihren persönlichen Erfahrungen berichten.