Besondere medizinische Fälle in der Klinik für Gefäßchirurgie von Chefarzt PD Dr. med. Gottfried Mommertz

Fall 1

Die stationäre Aufnahme des Patienten erfolgte aufgrund von Gewebeuntergang (Nekrose) an der Großzehe und Ferse links. Schon bei der körperlichen Untersuchung und im Ultraschall ergab sich der dringende Verdacht auf eine kugelförmige Aufweitung der Kniekehlenschlagader (Aneurysma).
Die Darstellung der Schlagadern mittels Magnetresonanztomographie (MR-Angiographie) bestätigte diesen Verdacht. Es zeigte sich ein asymmetrisches teilthrombosiertes Aneurysma im P2-Segment der A. poplitea mit einem Durchmesser ca. 4 cm.
Aufgrund eines hohen Abgangs der hinteren Unterschenkelschlagader schied eine minimalinvasive Behandlung, auch nach Rücksprache mit unserem Referenzzentrum in Leipzig aus.

Es wurde die Indikation zur operativen Entfernung des Aneurysmas (Aneurysmaresektion) und Wiederherstellung der Durchblutung mittels Veneninterponat links gestellt und komplikationslos durchgeführt.
Postoperativ wurde der Patient für eine Nacht auf unserer Intensivstation überwacht. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Durchblutungssituation bei stets warmer und rosiger Extremität mit reizlosen Wundverhältnissen und trockenen Nekrosen an Großzehe und Ferse links. Die einliegenden Wunddrainagen wurden zeitgerecht entfernt.

Fall 2

Im April 2018 stellte sich der jetzt 80 jährige Patient bei uns vor. Bei ihm war 2014 von einem anderen Kollegen aufgrund eines Aortenaneurysmas ein Aortenstent bis knapp unterhalb der Nierenarterien implantiert worden. Der max. Durchmesser des Aneurysmas betrug damals knapp 64mm.
Zwischenzeitlich waren keine weiteren Kontrollen erfolgt. Erst im Rahmen einer Computertomographie aufgrund einer akuten Darmerkrankung viel eine Zunahme der Anuerysmagröße auf jetzt 84mm auf. In einer bei uns nun angefertigten speziellen Computertomographischen Angiographie zeigte sich, dass das Aneurysma weiter kopfwärts gewachsen war und auch der einliegende Aortenstent nach fußwärts abgerutscht war.
Gemeinsam mit unseren Kollegen aus der Anästhesie und Kardiologie waren wir uns einig, dass eine offene Operation bei dem schwer vorerkrankten, 80-jährigen Patienten zu riskant erschien.
Aus diesem Grund entschieden wir uns zusammen mit den Kollegen aus der Radiologie einen weiteren Aortenstent mit vier Beinchen für die Darm- und Nierenarterien zu implantieren. Diese Stents werden für jeden Patienten speziell ausgemessen und in subtiler Handarbeit angefertigt.
Am 5. September konnten wir dann diesen Aortenstent bei dem Patienten erfolgreich einbringen und mit der Kontrollcomputertomographie am 10. September zeigen, dass alle Beinchen gut durchblutet waren und das Aneurysma nun komplett ausgeschaltet und damit die Gefahr für den Patienten gebannt war.
Dieser wurde bei Wohlbefinden, nach Entfernen des Hautnahtmaterials am 17. September 2018 nach Hause entlassen.

Fall 3

Im August 2018 stellte sich die jetzt 78-jährige Patientin aufgrund eines pulsierenden Tumors an der rechten Halsseite bei uns vor. Von unseren Kollegen im MVZ Gefäßzentrum Aachen wurde bereits eine Magnetresonanztomographie veranlasst, diese zeigt ein Aneurysma der rechten Hirnschlagader, die zusätzlich auch deutlich geschlängelt verlief.
Die große Gefahr dieser Aneurysmen geht vor allem von, mit dem Blutstrom in das Gehirn verschleppten Gerinnsel aus, die dort einen Schlaganfall verursachen können. Zudem können Aneurysmen dieser Größe auch Platzen und den Patienten in eine akute Lebensgefahr durch Verdrängung der Luft- und Speiseröhre bringen.
An Nebenerkrankungen bestand lediglich ein gut eingestellter Bluthochdruck, so dass Wir die Patientin zeitnah am 8. August zur Operation am 9. August 2018 aufnehmen konnten.
Im Rahmen der Operation wurde zum einen das Aneurysma entfernt und zudem die viel zu lange Arterie entsprechend gekürzt und rekonstruiert.

Die Patientin wurde routinemäßig für eine Nacht auf der Intensivstation überwacht und konnte bei unauffälligem Verlauf am Folgetag auf die Normalstation übernommen werden.
Am sechsten Tag nach der Operation wurde Hautnahtmaterial entfernt und die Patientin bei völligem Wohlbefinden aus dem Krankenhaus entlassen.