Kompetenzzentrum Reflux

Das Kompetenzzentrum Reflux am Marienhospital Aachen diagnostiziert und behandelt alle Formen von Sodbrennen. Der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie PD Dr. med. Carsten J. Krones im Gespräch:

Was versteht man unter einem Reflux?

Unter einem Reflux versteht man eine Entzündung der Speiseröhre. Sie entsteht, wenn Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt. Darunter leiden ca. 30% der Bevölkerung. Grundlage ist in der Regel ein defekter Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen, meist in Verbindung mit einem Zwerchfellbruch. Zu den Beschwerden gehören neben dem klassischen, brennenden Aufstieg von Magensäure auch der symptomarme Reflux von Gallensaft und die chronische Kehlkopfentzündung durch die stille, nächtliche Aspiration. Oftmals tritt Reflux nur sporadisch auf. Bei ca. einem Drittel der Betroffenen entwickelt sich jedoch die sogenannte gastro-ösophageale Refluxerkrankung (GERD). Die Folgen reichen dann von einer dauerhaften Einschränkung der Lebensqualität über die schwere Speiseröhrenentzündung bis zum Karzinom.

Sodbrennen ist ein lästiges Übel. Was erwartet einen Patienten, der mit diesem Leiden zu Ihnen kommt?

Tritt Sodbrennen selten auf, dann ist es wirklich nur lästig. Bei chronischen Beschwerden muss jedoch gehandelt werden, damit keine organischen Veränderungen eintreten, die, wie bereits erwähnt, langfristig sogar Speiseröhrenkrebs begünstigen. Die Diagnostik startet immer mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Zur Beurteilung der Speiseröhrenbewegung wird der Schluckakt zusätzlich gefilmt (Kinematographie) und druckvermessen (Manometrie). Bei unklarem Beschwerdebild schließt sich zusätzlich eine Refluxmessung über 24 Stunden (pH-Metrie, Impedanz) an. Erst die kombinierte Auswertung dieser Untersuchungen ermöglicht in jedem Einzelfall die Entwicklung eines differenzierten Therapieplans.

Die Anti-Reflux-Chirurgie ist ein Versorgungsschwerpunkt Ihrer Klinik. Welche Eingriffe nehmen Sie operativ vor?

Eine hohe Zahl der Refluxbeschwerden kann man konservativ behandeln. In der Regel ist dann eine lebenslange medikamentöse Blockung der Magensäureproduktion erforderlich. In manchen Fällen macht die Medikation jedoch nicht beschwerdefrei oder wird nicht toleriert. Dann ist eine Operation die beste Lösung. Bei dem Eingriff wird der defekte Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen wieder verstärkt und die zu große Lücke im Zwerchfell eingeengt. Natürlich führen wir den Eingriff laparoskopisch, d.h. minimal-invasiv durch. Unter normalen Bedingungen sind danach über 90% der Patienten beschwerdefrei.

Sie setzen im Refluxzentrum auf hochmoderne Medizintechnik. Warum hat das MHA gegenüber anderen Krankenhäusern hier die Nase vorn?

Die gastro-ösophageale Refluxerkrankung  zeigt oft eine sehr individuelle Ausprägung. Die Auswahl der richtigen Therapie benötigt deshalb eine differenzierte Entscheidungsgrundlage. Die interdisziplinäre Diagnostik im Refluxzentrum bietet hier neben der ärztlichen Expertise modernste Medizintechnik. Neben Endoskopie und Kinematographie gehören hierzu insbesondere die Vermessung der Druckverteilung im Schluckakt sowie des Reflux-Inhalts. Wir setzen dazu das neu angeschaffte Multikanalsystem Isolab HR ein. Isolab misst mit der pH-Metrie nicht nur den sauren Reflux, die Impedanzmessung kann über den elektrischen Widerstand auch den nicht-sauren Galle-Reflux nachweisen. Diese Leistung wird im Aachener Umfeld zurzeit nur im Marienhospital Aachen angeboten.

Sehen Sie auch Möglichkeiten, den Reflux ohne Operation zu bekämpfen? Was können die Patienten präventiv tun?

Es gibt Lebensgewohnheiten, die die Neigung und Häufigkeit von Refluxepisoden steigern. Deutliches Übergewicht erhöht den Druck im Bauch, der sich dann oft wie über ein Ventil in die Speiseröhre entleert. Alkohol, fette Speisen, Nikotin und auch Schokolade sind Auslöser von Sodbrennen, die man meiden kann. Manchmal hilft auch das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper. Die organischen Grundlagen der Refluxerkrankung können präventiv jedoch nicht verändert werden.