Ethik im Krankenhaus

Die moderne Medizin hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant fortentwickelt und immer weiter spezialisiert. Ihre Errungenschaften sind für viele kranke Menschen zum Segen geworden. Viele Krankheiten können heutzutage gut behandelt und oft sogar geheilt werden, die noch zu Zeiten unserer Großeltern sicher zum Tode geführt hätten.

Doch so positiv diese Entwicklungen sind, so vielfältig können die dadurch aufgeworfenen Fragen sein. Fragen, die durch die enormen Fähigkeiten der Medizin überhaupt erst entstehen oder sich in ihrer Schärfe vor 40 oder 50 Jahren noch gar nicht gestellt haben. Das Zusammenspiel aus dem, was medizinisch machbar, menschlich vertretbar und finanziell leistbar ist, wird zunehmend komplexer.

Ärztliche Entscheidungen über z.B. den weiteren Therapieverlauf erfordern neben dem notwendigen medizinischen Wissen und der persönlichen Erfahrungen der Mediziner zunehmend auch ethische Kompetenz. Eigene Wertvorstellungen und Erwartungen geraten darüber hinaus nicht selten in Widerspruch zu den Wertvorstellungen, Erwartungen und Bedürfnissen anderer. Dabei ist es mitunter eine große Herausforderung, einen guten Mittelweg zwischen dem Respekt vor der Autonomie des Patienten auf der einen Seite und der ärztlichen Fürsorgepflicht auf der anderen Seite zu finden.

Wenn es gerade in einem christlich orientierten Krankenhaus nicht nur um die Behandlung von Krankheiten, sondern von Menschen gehen soll, müssen konsequenterweise alle menschlichen Gesichtspunkte angemessen berücksichtig werden.
Dann dürfen Patienten darauf vertrauen, dass sie nicht nur nach den neuesten medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen behandelt werden, sondern ihr persönlicher Wille und ihre individuelle Würde gleichermaßen respektiert werden.