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161 Jahre Schaffenszeit gehen

Abschied der Ordensschwestern der Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus aus dem Marienhospital Aachen

Neue Schwestern des indischen Ordens Sisters of the little Flower of Bethany werden feierlich begrüßt

161 segensreiche Jahre haben die Schwestern des Ordens der Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus in der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen zum Wohle der Patienten und Mitarbeitenden gewirkt. Am   31. August 2014 wurden die letzten vier verbliebenen Schwestern im Rahmen eines Hochamtes und einer Feierstunde in der Kapelle des Marienhospitals Aachen von Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff feierlich vor hunderten Gästen verabschiedet. „Der Konvent in der Klausur des Marienhospitals Aachen musste aufgelöst werden, weil die vier Ordensschwestern, die dort noch lebten, Schwester Ruth, Schwester Susanne Maria, Schwester Felice und Schwester Maria Loretta inzwischen doch ein recht hohes Alter erreicht haben und nicht mehr die Kräfte haben, weiter diese Aufgaben zu übernehmen“, erklärt die Generaloberin Schwester Katharina Maria Finken SPSF. „Und unser Orden hat leider keine jüngeren Schwestern mehr, die wir schicken könnten, um die Ordensschwestern abzulösen. Wir haben seit 20 Jahren keinen Nachwuchs mehr und bedauern sehr, dass wir den Konvent nicht aufrecht erhalten können. Wir freuen uns dafür umso mehr, dass im Marienhospital Aachen zukünftig  indische Ordensschwestern die Aufgaben unseres Konvents übernehmen werden“, unterstreicht die Generaloberin.

In den letzten Jahrzehnten lebten in der Klausur der Stiftung bis zu 60 Schwestern, die in den unterschiedlichsten Bereichen des Krankenhauses aktiv waren: In der Pflege, in der Apotheke, im Operationssaal, in der Zentralküche oder in der Verwaltung.

Wie alles begann...

Die Katholische Stiftung Marienhospital Aachen wurde im Jahr 1850 von sechs Burtscheider Bürgern und den beiden Pfarrern der Gemeinden St. Johann und         St. Michael gegründet. Das Marienhospital Aachen wurde im Jahr 1853 eröffnet. Zur damaligen Zeit herrschte im Aachener Stadtviertel Burtscheid die Cholera und die Pfarrer der beiden Kirchengemeinden baten die Gründerin der Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus darum, dass einige Ordensschwestern die Pflege der Kranken übernehmen. So ist das Marienhospital Aachen die erste Kommunität, in die Franziska Schervier ihre Mitschwestern entsendet, um für die Menschen in Not unmittelbar vor Ort da zu sein. Zunächst wurden die Kranken noch in einem Zimmer im Burtscheider Jonastor mit nur wenigen Betten behandelt, aber schon bald danach siedelte man in den Flügel des früheren Abteigebäudes um.

In der weiteren Geschichte gab es einige Rückschläge, denn in den Jahren des Zweiten Weltkrieges wurde das Krankenhaus durch mehrere Luftminen schwer beschädigt. Im Jahr 1946 wurde das Hospital wiedereröffnet und nach und nach wurden die zu Kriegszeiten als Lazarett genutzten Räume vom englischen Militär zurückgegeben. „161 Jahre sind nun seit den Anfängen vergangen. Unsere Schwestern waren für die Menschen da, haben zugehört und geholfen. Unsere Gemeinschaft blickt froh und dankbar zurück auf die vielen wertvollen und ereignisreichen Jahre des Wirkens im Marienhospital Aachen. Auch wenn die Schwestern gehen, so wird der Geist unserer Ordensgründerin und ihr Charisma `Wunden heilen und Seelen retten´ nicht vergessen“, betont die Generaloberin Schwester Katharina Maria Finken SPSF.

Die Ordensgründerin Franziska Schervier, von der Bevölkerung liebevoll „Mutter der Armen“ genannt, starb am 14. Dezember 1876. Sie wurde 1974 von Papst Paul VI. selig gesprochen. Ihre Grabstätte befindet sich in der Klosterkirche des Mutterhauses in Aachen.

Übergabe an die Schwestern des indischen Ordens Sisters of the little Flower of Bethany

Im Rahmen der Feierstunde in der Kapelle des Marienhospitals Aachen wurden auch die drei neuen Ordensschwestern Schwester Irene, Schwester Geetha und Schwester Juliana vom indischen Orden Sisters of the little Flower of Bethany (Kongregation der Schwestern der kleinen Blume von Betanien, Mangalore) feierlich im Marienhospital Aachen in Empfang genommen, die nun ihr Zuhause in der Klausur der Stiftung gefunden haben. Ihnen folgen in den nächsten Monaten noch die Schwestern Preethi und Lydia, die den Konvent komplettieren werden. Zu den Aufgaben der Ordensschwestern Irene und Geetha zählen die Seelsorge, der Krankenhausbesuchsdienst und die Versorgung der Krankenhauskapelle. Schwester Juliana absolviert aktuell im Marienhospital Aachen ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und wird dann im Anschluss in der Krankenpflege tätig sein.

„Wir sind natürlich sehr traurig darüber, dass uns unsere Franziskaner-Schwestern verlassen haben, aber es ist wunderbar, dass wir das Glück haben, eine neue Ordensgemeinschaft in der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen beheimaten zu dürfen“, freut sich der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Ehrendomkapitular Msgr. Heribert August.

Schwester Irene und Schwester Geetha leben seit über 25 Jahren in Deutschland, zuletzt in Viersen und Berlin und sprechen ausgezeichnet Deutsch, so dass es keinerlei Sprachbarrieren gibt. „Wir erkennen die Notwendigkeit unseres Dienstes in Deutschland. In Indien sind die Menschen von materiellen Nöten geplagt, dafür sind die psychischen Nöte in Deutschland größer. Hier vereinsamen die Menschen eher. Da möchten wir mit unserer Arbeit aktiv entgegenwirken“, erklärt Schwester Irene. „Uns macht es sehr glücklich, wenn wir den Patientinnen und Patienten helfen können.“

Raymond Francis Camillus Mascarenhas gründete die Kongregation der Schwestern der kleinen Blume von Betanien, Mangalore

Der Gründer des Ordens Sisters of the little Flower of Bethany Raymond Francis Camillus Mascarenhas wurde 1875 in Shimago (Süd-West-Indien) geboren. Seine Eltern vermittelten ihren dreizehn Kindern eine tiefreligiöse Erziehung. Ramond konnte die Höhere Schule besuchen und trat anschließend mit 16 Jahren in das     St. Josef-Seminar in Mangalore ein, das von Jesuiten geleitet wurde. Mit 25 Jahren erhielt er die Priesterweihe und war in mehreren Gemeinden als Pfarrer aktiv. Im Laufe seiner Tätigkeit erkannte Mascarenhas die Notwendigkeit der Schulbildung für die Entwicklung der Kinder aus armen Familien, besonders der Mädchen, die ohne Ausbildung im Elend lebten. Er fand vier junge Lehrerinnen, die bereit waren, sich Gott zu weihen und sich um die Not der Armen zu kümmern und so gründete er 1921 mit Einverständnis des Bischofs eine Gemeinschaft von Schwestern. Dem ersten Wohnhaus gab der den Namen Betanien. So wie Jesus in Betanien bei seinem Freund Lazarus und den Schwestern Maria und Marta herzlich aufgenommen wurde, so sollten alle Menschen bei den Schwestern Hilfe erfahren.

Pfarrer Mascarenhas erlebte bis zu seinem Tod im Jahr 1960 das Erstarken der Gemeinschaft und die Ausbreitung der Kongregation in vielen indischen Diözesen.